Wie meistert man Inflation?

Veröffentlicht von tris am

Nach zwei Jahren Unterbrechung durch die Pandemie haben sich die politischen und wirtschaftlichen Eliten der Welt wieder in Davos zum Weltwirtschaftsforum getroffen. Die Gespräche finden vom 22. bis 26. Mai statt und stellen die russische Invasion in der Ukraine, die Knappheit von Nahrungsmitteln, Klimawandel und Inflation in den Mittelpunkt. 

Der Begriff Inflation bezeichnet die Geldentwertung, d.h. das Absinken des Geldwertes. Diese Geldentwertung entsteht durch ein beständiges Ansteigen des Preisniveaus für Endprodukte, also Konsumgüter, Investitionsgüter und Dienstleistungen. 

Die Inflation steht in immer mehr Ländern ganz oben auf der Agenda. Im Vereinigten Königreich gaben 52 Prozent der Befragten an, dass die Inflation eines der wichtigsten Probleme ihres Landes sei. Aber auch Befragte in anderen europäischen Ländern haben wachsende Sorge vor Inflation, in Deutschland 44 Prozent, Spanien 51 Prozent und Italien 37 Prozent. 

Rekord-Inflation zwingt Unternehmen zu schnellem Handeln

In Deutschland stieg im Jahr 2021 die Inflationsrate mit einem Durchschnittswert von 3,1 Prozent massiv an. Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt vor rund 30 Jahren im Jahr 1993 mit 4,5 Prozent. Die Gründe für steigende die Inflation sind vielseitig, aber seit Juli 2021 befindet sich die Inflation in Deutschland auf Rekordniveau. Verantwortlich sind dafür unter anderem Basiseffekte, da in der zweiten Jahreshälfte 2020 coronabedingt die Mehrwertsteuer in Deutschland gesenkt wurde und damit einhergehend sinkende Preise bei vielen Gütern eintraten. Die Senkung der Mehrwertsteuer wurde aber von vielen Unternehmen nicht in gleichem Umfang weitergeben. Preise für Mineralölprodukte und für energieerzeugende Rohstoffe sind im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Diese Entwicklung wird durch den Krieg in der Ukraine weiter verstärkt. Im April 2022 steigen die Verbraucherpreise in Deutschland um 7,4 Prozent (!) gegenüber dem Vorjahresmonat April 2021. 

Wie können Unternehmer auf Inflation reagieren?

Unternehmer und Top-Führungskräfte sind dafür verantwortlich, für den sichern Fortbestand des Unternehmens zu sorgen. Kein Unternehmen kann es sich auf Dauer leisten, auf die Inflation nicht zu reagieren. Mit folgenden Schritten kann man das eigene Unternehmen vor Inflation schützen und reagieren: 

1.  Gestiegene Kosten weitergeben

Leider ist das wie ein Teufelskreis, der jedes Unternehmen treffen wird. Um Verluste zu vermeiden, werden die meisten Betriebe versuchen, ihre höheren Ausgaben an Kunden weiterzugeben. Jedes Top-Führungsteam ist gut beraten, möglichst früh zu diskutieren, wie sie die gestiegenen Kosten ihren Kunden in Rechnung stellen können. Hier ist an erster Stelle auch eine Wettbewerbsanalyse in der eigenen Branche durchzuführen; wenn alle ihre Preise erhöhen werden, ist es leichter ebenfalls Preise anzupassen. 

Eine weitere Möglichkeit, gestiegene Preise weiterzugeben, besteht in der Vertragsgestaltung. Preise von heute, können morgen schon ganz andere sein. Preissprünge sind in Zeiten starker Inflation ein Normalfall. Unternehmer können prüfen, wo sie Möglichkeiten haben, sogenannte Preisgleitklauseln einzubauen. Hiermit behält sich das Unternehmen das Recht vor, beispielsweise gestiegene Kosten für Energie- oder Rohstoffpreise an die Kunden weiterzugeben. Bei langfristigen Bauvorhaben sind diese flexiblen Verträge statt Festpreise für Unternehmen zu diskutieren. Jedes Unternehmen kann prüfen, ob und gegebenenfalls wo diese Möglichkeiten bestehen.   

2. Kosten senken

Wenn die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sinkt, können höhere Material-, Energie- oder Dienstleistungskosten nicht in gleichem Umfang an die Kunden weitergeben werden. In diesem Fall muss die Unternehmensspitze schauen, wo bei den Kosten angesetzt werden kann. Am besten bei Kostenpositionen, die das Unternehmen selbst gut beeinflussen kann. Beispielsweise ist zu prüfen, wo die Produktivität durch effizientere Prozesse gesteigert werden kann. Lassen sich Arbeitsabläufe durch neue Maschinen oder Software beschleunigen? 

3. Breite Lieferantenbasis aufbauen

Langfristige Verträge mit grossen Volumen sind wegen günstigerer Kosten verlockend. Die Abwägung ist, ob ein erweiterter Lieferantenkreis nicht die bessere Absicherung ist, um sich vor der Weitergabe der Kosten durch Lieferanten zu schützen. Wer Alternativen hat, ist in der besseren Position und die Diskussion lohnt sich, wo und ob man diese breitere Lieferantenbasis aufbauen kann.

4. Liquidität genau führen

Wer mehr auf Lager und grössere Vorräte hat, kann sich damit vor Verlusten durch steigende Preise schützen, doch fehlen die liquiden Mittel möglicherweise an anderer Stelle. Unternehmer und Führungsteams müssen ihr Umlaufvermögen in Zeiten von hoher Inflation besonders genau im Blick haben. Das heisst für Unternehmer einerseits akribisch darauf zu achten, dass Kunden pünktlich zahlen, anderseits sind Zahlungsfristen eigener Verbindlichkeiten bei Lieferanten und Geschäftspartnern bis möglichst zum angegeben Datum auszuschöpfen. In jedem Fall ist zu prüfen, welche jederzeit verfügbaren Darlehen eingerichtet sind und ob diese mit Blick auf die Liquiditätssicherung nicht anzupassen sind. 

5. Sorge für zufriedene Menschen

Die Inflation trifft alle Verbraucher, da sich deren Konsumausgaben durch teurere Produkte und Dienstleistungen steigern. Da sie die gestiegenen Kosten nicht weitergeben können, wird die Forderung nach höheren Löhnen und Gehältern berechtigter Weise folgen. Für Unternehmen wird dort ein grosses Spannungs- und Konfliktfeld entstehen, da sie diesen Forderungen möglicherweise nicht nachkommen können. 

Unternehmer und Führungsteams, die ein gutes Arbeitsklima, Weiterbildungsmöglichkeiten und attraktive Arbeitszeitmodelle geschaffen haben, sind klar im Vorteil. In unsicheren Zeiten ist die Willigkeit, den Arbeitsplatz zu wechseln, geringer, aber Teammitglieder werden eher bleiben wollen, wenn sie mit der Aufgabe, dem Umfeld und dem Chef zufrieden sind. 

Denkanstoss für heute – Inflation meistern:

  1. Wie kannst du gestiegene Kosten weitergeben? 
  2. Wie kannst du Kosten senken?
  3. Wie kannst du eine breite Lieferantenbasis aufbauen?
  4. Kannst du die Liquidität genauer führen?
  5. Wie kannst du ein zufriedenes Team schaffen?
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Dr. Frank Arnold 

Bestsellerautor, Redner und Berater für Strategie und Veränderungsprozesse. 

Dr. Frank Arnold beschäftigt sich mit der Frage «Was ist gute Führung? Insights für unternehmerischen Erfolg» – und das seit über 20 Jahren. Gute Führung ist für ihn der Schlüssel zum Erfolg von Menschen und Unternehmen.